„Das Leben findet einen Weg“, argumentiert Ian Malcolm in Jurassic Park. Eine Weisheit die nicht nur auf die Fortpflanzung von Dinosauriern zutrifft. Wenn Menschen ein System aufgezwungen wird, dass von den meisten nicht akzeptiert wird, finden die einen oder anderen eine Möglichkeit dieses zu umgehen. Ein Hinweis darauf, dass ein solches System zum aussterben verurteilt ist.
Raubkopieren ist nicht etwa ein Volkssport, der Tausende Bürger zu potentiellen Kriminellen macht, sondern viel eher ein unübersehbares Zeichen für die Tatsache, dass das traditionelle Urheberrecht heute nicht mehr funktioniert. Man könnte das lemmingartige, gesetzwidrige Verhalten der Bürger als Protests verstehen, gegen das starre und antike Konzept der Musikindustrie Kunst zu vermarkten. Mittlerweise ist dieser „Protest“ so gut organisiert, dass es sogar einfacher ist sich ein Musikalbum illegal zu beziehen, als es legal zu kaufen.
Oft gefällt mir ein Song eines Künstlers besonders gut. Natürlich könnte ich mir diesen nun für ein oder zwei Euros bei iTunes, Musicload oder Konsorten kaufen, doch vielleicht möchte ich mir auch einmal das ganze Album anhören. Dann ist man schnell bei 15 Euro für einmal hören. Eine CD könnte ich nun bei E-Bay weiterverkaufen, aber ein paar MP3-Dateien versteigern? Da wird man doch ausgelacht oder als potentieller Raubkopierer für 5 Jahre in den Knast gesteckt.
Danny O’Brien, ehemaliger Technologie-Journalist für die Sunday Times, schlägt eine Variante der Kulturflatrate vor, die nicht nur das Problem mit den Raubkopien lösen könnte, sondern auch für eine gerechte Verteilung der Einnahmen an die Künstler sorgen und das Verteilen der Musik auf eine technisch aktuelle Stufe heben würde.
Dieses Konzept einer Kulturflatrate mag vielleicht etwas zu einfach klingen und sicher gibt es Möglichkeiten zur Verbesserung. Aber was wäre denn die Alternative? So weitermachen wie bisher? Verhältnismäßig viele Internet-Nutzer ziehen sich ihre Musik weiterhin illegal und ein paar arme Schweine werden dabei erwischt und zu horrenden Geldstrafen verurteilt, während die Musikindustrie uns weiterhin mit angeblichen Milliardenverlusten die Ohren vollheult? Das Nachsehen haben am Ende jene, denen das Raubkopieren die Existenz kostete und die Künstler, deren CDs niemand mehr kaufen möchte.
Es steht außer Frage, dass ein neues, der heutigen Zeit angemessenes System her muss. Fragt sich nur wann Politik und Musikindustrie das begreifen.